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Tinnitus

von Steven Baur

Wenn das innere Hören zum Problem wird

Es gibt keine exakten Zahlen, wie viele Menschen einen Tinnitus haben. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 25 Prozent der Bevölkerung der Industrieländer im Laufe ihres Lebens von Tinnitus betroffen sind. In Deutschland nehmen über 15 Prozent der über 65-jährigen einen Tinnitus wahr. Doch was ist Tinnitus eigentlich genau?

Als Tinnitus wird die Wahrnehmung von Geräuschen im Kopf bzw. im Ohr bezeichnet, ohne dass es eine Geräuschquelle außerhalb des Körpers gibt. Die Geräusche können sehr verschieden sein: Rauschen, Pfeifen, Summen oder eine Melodie. Die Ursachen für einen Tinnitus sind so vielfältig, wie die Geräusche: Er kann von einem Lärmschaden kommen, einem Hörsturz, Schädel-Hirn-Trauma oder Tumor, von Krankheiten wie Morbus Meniere oder psychischen Belastungen.

Man unterscheidet zwischen objektivem und subjektivem Tinnitus. Objektiver Tinnitus ist ein von Körperfunktionen erzeugtes Geräusch bei gestörten physikalischen Vorgängen im ohrnahen Bereich. Am häufigsten sind Angiopathien oder eine Belüftungsstörung der Ohrtrompete. Ein objektiver Tinnitus kann für Außenstehende hörbar sein und ist in der Regel behandelbar. Bei subjektivem Tinnitus handelt es sich meist um eine Störung im Innenohr oder zentralen Nervensystem. Dieser Tinnitus wird nur vom Betroffenen gehört und ist schwieriger, zum Teil auch gar nicht zu beheben.

Je nach Schweregrad (1-4) kann der Tinnitus eine extreme Belastung darstellen: Psychischer Stress, Schlaf- und Konzentrationsprobleme können die Folgen sein. Bei solchen Beschwerden spricht man von einem dekompensierten Tinnitus. Das bedeutet, dass der Betroffene dieses Geräusch ständig hört und darunter leidet, so dass der Tinnitus den Alltag beeinflusst. In der akuten Phase, wenn der Tinnitus erstmals auftritt, wird häufig mit einer Infusionstherapie behandelt. Begleitende Maßnahmen sollten immer Stressabbau und Entspannung sein. Wichtig für Betroffene ist, sich von absoluter Stille fernzuhalten, da der Tinnitus in einer solchen Situation sehr dominant wahrgenommen wird.

Falls der Tinnitus in den ersten drei Monaten nicht behoben werden kann, wird er als chronisch bezeichnet. Dann kann ein sogenannter „Masker“ vom Hörakustiker helfen, sich zu entspannen. Das ist ein Hörsystem mit spezieller Funktion: Dem Betroffenen werden über das Gerät entspannende Geräusche vorgespielt. Die Klänge reichen von Meeresrauschen bis zu sanften Melodien. Es soll zur Ablenkung vom Tinnitus und zur Entspannung dienen, wodurch der Tinnitus manchmal auf lange Sicht reduziert werden kann. Die Kosten einfacher „Masker“ werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Weiterhin kann der Tinnitus mit Alternativer Medizin (z.B. Akupunktur) behandelt werden. Falls der Tinnitus einen hohen Schweregrad (3 oder 4) erreicht, sollte der Betroffene eine sogenannte Tinnitus-Retraining-Therapie in Erwägung ziehen. Diese geschieht in Absprache mit einem Hörakustiker, einem HNO-Arzt und je nach Leidensdruck auch Psychologen. Für alle genannten Maßnahmen gilt, dass eine Besserung eintreten kann (oft erst nach mehreren Monaten), dies aber nicht unbedingt der Fall sein muss. •

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