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Quelle des Lebens

von Klaus Seyboth

Das Element Wasser

Mit dem Wasser macht jedermann elementare Erfahrungen. Der eine beim Hinausschwimmen in einen See: das Wasser trägt. Jemand anderes machte frühe Erfahrungen mit einem Brunnen, dessen Wasser man unbesorgte trinken durfte. Ich denke dabei an das „Bärenbrünnlein“ an der Bäckerei Bär, das ich von der Wohnung meiner Großeltern aus sehen konnte. Aber wer kennt heute noch einen Brunnen mit Rolle, Kübel und Seil? Und man war auch nicht allein „Am Brunnen vor dem Tore“ oder anderswo. Über eine solche außergewöhnliche Begegnung berichtet der Evangelist Johannes in der Geschichte „Jesus und die Samariterin am Jakobsbrunnen“. (Johannesevangelium Kapitel 4) Viel hat sich verändert, seitdem das Wasser aus der Leitung fließt.

Ohne Wasser kein Leben! Der altgriechische Lyriker Pindar hat alle Dinge aufgezählt, die zum Leben nötig sind, und dann gesagt: „Das Beste aber ist das Wasser.“ Wer Wasser schöpft, ist auf elementare Weise mit dem Schöpfer verbunden, der sich nicht fassen lässt, sondern „Wasser gießen will auf das Durstige und Ströme auf das Dürre“. Er ist selbst die Quelle des Lebens. (Jesaja 44,3)

Die Schalen eines römischen Brunnens können Bild sein für das durch Gottes Volk in stetem Nehmen und Geben fließende Heil. Jesus nimmt das Bild auf, wenn er sagt: „Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.“ Gefasstes und ausgegossenes Wasser erinnert uns an die christliche Taufe, an die Heilkraft des Wassers für die Seele, die seiner Heilkraft für den Körper im Kneipp-Bad meines Wohnorts oder in manch anderem Heilbad entspricht. (Johannes 7,38)

Wissen wir noch, wie kostbar das Wasser ist? Wo es rar ist oder war – wie im Dürrejahr 1947. Dort, wo ich aufwuchs – weiß man es besser. Als solche, die im Leib ihrer Mutter von Wasser umgeben waren und seit ihrer Geburt hauptsächlich aus Wasser bestehen, haben wir an seiner Kostbarkeit Anteil. In seinem Gesangbuch-Lied „Himmel, Erde, Luft und Meer …“ hebt Joachim Neander die Bedeutung des Elements Wasser hervor: „Seht der Wasserwellen Lauf, wie sie steigen ab und auf: von der Quelle bis zum Meer rauschen sie des Schöpfers Ehr‘.“ Im „Sonnengesang“ des Franz von Assisi klingt es so: „Gelobt seist du, mein Herr, für Schwester Wasser, sehr nützlich ist sie und demütig und kostbar und keusch.“•

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