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Mit Hilfe der Natur

Immunsystem stärken und vorbeugen

von Günther H. Heepen

Die Erkrankung COVID-19, ausgelöst durch das neuartige Virus SARS CoV-2, hat uns gezeigt: Wir fühlen uns einem Feind ausgeliefert, den man nicht sehen kann und von dem man kaum etwas weiß. Doch auch viele weitere Krankheiten werden von Viren verursacht, wie Grippe und Erkältungen, Herpes-Infektionen, Magen-Darm-Infektionen oder Pfeiffersches Drüsenfieber. Viren sind winzige Partikel, ihre Größe schwankt je nach Art zwischen 22 und 330 Nanometern (1 Nanometer = 1 Millionstel Millimeter). Sie haben keinen eigenen Stoffwechsel und können deshalb weder Proteine herstellen noch sich selbst vermehren. Um dennoch fortzubestehen, brauchen sie eine Wirtszelle, in die sie ihre Erbanlagen schleusen und die sie dann dazu bringen, Viren zu produzieren und uns mit Krankheiten zu infizieren.

Wir brauchen aber viralen Infektionen nicht tatenlos zuzusehen. Es gibt zahlreiche durch Studien untermauerte Möglichkeiten aus der Naturheilkunde, wie man Viruserkrankungen auf natürliche Weise behandeln und vorbeugend begegnen kann. Viren sind schlau, sie können mit Bakterien um die Welt reisen und andere Erdteile besuchen. Sie überleben hundert Jahre im Eis. Viren haben keine Eile. Sie sind geduldig. Was sie nicht mögen, sind Sonnenstrahlen, Wärme, Ingwer, Gewürznelken, scharfe Gewürze, Zink, Polyphenole und ein starkes Immunsystem. Viren sind uns immer noch ein Rätsel – und oft einen Schritt voraus. Viele Menschen haben Angst vor ihnen. Gerüchte verbreiten sich im Internet und wir fragen uns, ob solche Infektionen womöglich als biologische Waffen geplant sind, um die Bevölkerung zu dezimieren. All das beschäftigt uns – und Spekulationen machen es nur noch schlimmer. Dabei kennen wir Viren seit 1882 und doch wissen wir immer noch zu wenig über sie.

„Die wirksamste Medizin ist die natürliche Heilkraft, 
die im Innern eines jeden von uns liegt”. Hippokrates (460-377 v. Chr.)

 

Ein stabiles Immunsystem ist am wichtigsten
Aus Sicht der Medizin sind die meisten viralen Infekte nicht therapierbar. Manche Viruserkrankungen können durch prophylaktische Maßnahmen (Impfungen, Medikamente) verhindert werden, andere mit speziellen Medikamenten geheilt werden. Für einen Großteil der Virusinfektionen gibt es jedoch keine Heilmittel, zumindest nicht in der Schulmedizin. Die Naturheilkunde geht andere Wege in Prävention und Therapie. Und es ist nicht so, dass das alles Heilkräuter-Spinnereien unserer Vorfahren sind, sondern es sind Fakten und Studien, die heute wissenschaftlich untermauern, was in früheren Zeiten Kräuterfrauen und Heilkundige seit Jahrhunderten mit Erfolg praktizierten. Heute können wir vieles davon erklären. Virusforscher sind sich einig, dass ein intaktes und stabiles Immunsystem am wichtigsten ist, damit der Körper eine Infektion mit Viren abwehren und mit Zweitinfektionen oder zusätzlichen Infektionen besser umgehen kann. Dabei lässt sich vieles, auch vorbeugend, mit Maßnahmen erreichen, die uns die Naturheilkunde bietet.

Stärkung der körpereigenen Abwehr
Der Schwerpunkt liegt zunächst in einer Stärkung der körpereigenen Abwehr. So gelingt es dem Organismus, dass er Viren abwehren kann, sie sich nicht in Schleimhautzellen einnisten und ihre Vermehrung beginnen können. Sind verschiedene Naturstoffe vorhanden, wie zum Beispiel Polyphenole oder Zink, und ist die Schleimhautdurchfeuchtung in Ordnung, haben es Viren schwer, „Fuß zu fassen“. Darüber hinaus gibt es naturheilkundliche Therapien, die in den letzten Jahrzehnten ihr Potenzial gegen Viren gezeigt haben: Beispielweise die Mikroimmuntherapie, die auf das Immunsystem stimulierend wirkt, homöopathische Komplexmittel, Grapefruitkern-Extrakte, Zink, Melissenblätter-Extrakte und viele andere. Leider ist es bei einigen naturheilkundlichen Therapien so, dass man die Wirkungsweise nicht genau erklären kann – sie wirken aber trotzdem – möglicherweise über die Stärkung des Immunsystems, der Körper erhält damit sozusagen „Hilfe zur Selbsthilfe“.

 

Haut und Darm sind wichtige Abwehrbarrieren
Unser Organismus besitzt verschiedene Abwehrmechanismen, die uns gegen eindringende Feinde wie Bakterien und Viren schützen und die helfen, sie wieder loszuwerden. Die Haut bildet eine undurchdringliche Barriere für Bakterien, Viren und Pilze. Wird diese Hautbarriere durch Verletzungen, auch Mikroverletzungen, Risse, Verbrennungen oder Entzündungen zerstört, kann es zu Infektionen kommen. Auch Bakterien, die auf unserer Haut leben, verhindern das Eindringen von Fremdkeimen. Auf der Haut und in den Schleimhäuten befinden sich viele Mikroorganismen, die uns vor Infektionen schützen. Dieses Mikrobiom wird auch als Kolonisation und Kolonisationsschutz bezeichnet. Auf und in uns leben zehnmal so viele Bakterien, wie es Zellen in unserem Körper gibt. Auf der Haut befinden sich (nach Jassoy/Schwarzkopf „Mikrobiologie“) etwa 5000 Keime pro Quadratzentimeter. Die Kolonisationsresistenz lässt sich gut mit einem Parkplatz bei einer Großveranstaltung vergleichen: Wo schon ein Auto steht, kann kein anderes mehr parken. Das Gleiche gilt für den Darm: Wo bereits Bakterien sitzen, haben es andere Erreger schwer, noch einen Platz zum Ansiedeln zu finden. Eine intakte Darm-Mikrobiota verhindert, dass sich Fremdkeime niederlassen können, sie ist ein ganz bedeutender Teil unseres Abwehrsystems.

Beispiele für Wirkungen von Naturstoffen bei Infektionen

  1. Die Infektion (lateinisch: inficere = anstecken, vergiften, hineintun) geht jeder Vermehrung von Viren mit dem Erreichen der passenden Wirtszelle voraus. Zunächst heftet sich das Virus an die Zelle an. Polyphenole können das verhindern, indem sie mit den Virus- und Zellmembranproteinen eine Verbindung eingehen, Virusrezeptoren besetzen und so die Anheftung an die Zellmembran verhindern. Es kommt zur Unterbrechung der Reinfektion und zur Verkürzung der Heilungsphase.
  2. Kolloidales Silber zerstört bei Viren und Bakterien die DNA-/RNA-Stränge und die Nukleinsäure, sie können sich nicht weiter vervielfältigen. Folgende Viren sollen durch kolloidales Silber zerstört werden (nach Kühni / von Holst „Kolloidales Silber als Medizin“): Adeno-Viren, Herpes-Viren, Masern-Viren, Mixo-Viren (Influenza-Viren), Polio-Viren, Rhinoviren, Röteln-Viren, Varicella-Zoster-Viren.
  3. Beta-Glucane stärken und aktivieren über Rezeptoren die Makrophagen (große Fresszellen), diese erkennen und vernichten dann die Viren.
  4. Enzyme im Blut (zum Beispiel Trypsin) bewirken, dass Viren ihre Infektiosität verlieren – vermutlich, weil Enzyme die Proteinhülle der Viren auflösen.
  5. Betulinsäure aus Birkenrinde, eine Untergruppe der pentazyklischen Triterpene, kann Viren am Eindringen in die Wirtszelle hindern und die Reife zum infektiösen Stadium blockieren.
  6. Lysozym verhindert das Anhaften des Virus an die Schleimhaut, sie „rutschen“ aus dem Rachen in den Magen, dort werden sie von der Magensäure zerstört. Vorsicht bei Allergie auf Hühnereiweiß!
  7. Hemmung der reversen Transkriptase: Manche Viren enthalten einen Kern aus zwei RNA-Ketten und ein Enzym. Wie alle Lebewesen muss das Virus für seine Reproduktion DNA erzeugen. Mithilfe eines Enzyms (reverse Transkriptase) kann RNA in DNA umgeschrieben werden. Die Zelle übernimmt die DNA und beginnt mit der Virenproduktion. Wird dieser Prozess gehemmt, können in der Wirtszelle keine neuen Viren produziert werden. In Studien konnte belegt werden, dass Polyphenole diese für die Replikation (Vervielfältigung der DNA oder RNA) benötigten Enzyme hemmen.
  8. Zink stabilisiert die Zellmembran, bildet eine aktive Barriere gegen Keime und unterbindet die Vermehrung von Erkältungsviren. Für die äußerliche Anwendung (Herpesbläschen) ist es wichtig, Zink möglichst früh aufzutragen. Zink besitzt eine Affinität (Verbindung) zum Adhäsionsmolekül-1 (ICAM-1 Rezeptor) und verhindert dadurch die Anheftung der Viren an die Epithelzellen der Schleimhaut. Zudem hemmt Zink die Replikation der Rhinoviren, indem es die Bildung der Kapsidproteine verhindert. Zink wirkt positiv auf die Zellen des Immunsystems, besonders in Kombination mit Vitamin C. Zink aktiviert das Hormon Thymulin, das die Reifung der T-Lymphozyten reguliert. Bei akuten viralen Infekten kann die Zinkdosis für die ersten drei Tage der Behandlung bis auf das Dreifache erhöht werden.
  9. Naturstoffe wie Betacarotin, Vitamin C, Vitamin E und andere können die „Natürlichen Killerzellen“ (NK) stimulieren, es werden mehr davon gebildet. Testpersonen, die 30 mg Betacarotin täglich verzehrten, hatten bedeutend mehr Natürliche Killerzellen. Das gilt ebenfalls für Personen, die täglich Joghurt aßen. Auch die Anzahl von virusvernichtenden Lymphozyten wurde nach Selene Yeager, Memorial University, Neufundland, erhöht.
  10. Der Naturstoff Quercetin zerstört das genetische Material der Viren, diese können sich dann nicht mehr vermehren. Quercetin hemmt das Herpes-Virus und verschiedene Grippeviren.
  11. Bei Resveratrol, wie Quercetin ein Polyphenol, konnte in Versuchen mit von Epstein-Barr-Viren infizierten Zellen gezeigt werden, dass es die Virenvermehrung stoppt und das Virus zerstört.
  12. Sulfurophan gehört wie die Polyphenole zu den sekundären Pflanzenstoffen. Es kommt als Senfölglykosid-Glucoraphanin in Kreuzblütengewächsen wie Brokkoli und Kohl vor. In Versuchen konnte gezeigt werden, dass dadurch die Aktivierung des Epstein-Barr-Virus, der das Pfeiffersche  Drüsenfieber auslöst, gehemmt wurde und die Zellen, die damit befallen waren, reduziert wurden.
  13. Bei Hydroxytyrosol, ein Polyphenol, konnte eine antivirale Wirkung auf das Influenza-Virus bestätigt werden, es bewirkt eine morphologische Veränderung des Virus. Hydroxytyrosol (HT), eine kleinmolekulare Phenolverbindung, inaktivierte Influenza-A-Viren sowie H1N1-, H3N2-, H5N1- und H9N2-Subtypen (www.sciencedirect.com/science/aticle/abs/pii/S0166354209002770?via%3Dihub).
  14. Sauerstoff und Rizole denaturieren das Vireneiweiß und zerstören es.

Mein abschließender Rat:
Der wichtigste Virenschutz ist regelmäßiges Händewaschen und die Händedesinfektion bei Verdacht auf Kontakt mit Keimen. Auch der Abstand zu hustenden oder niesenden Menschen ist wichtig. Gelingt das nicht, kann in Grippezeiten ein Mundschutz helfen. Ätherische Öle, zum Beispiel in Bonbons, können helfen, ein Anhaften von Viren auf der Schleimhaut in Mund, Nase und Rachen zu verhindern. Über die Raumluft können Sie dazu beitragen, dass es Viren schwerer haben: mit häufiger Frischluftzufuhr, Luftbefeuchtern und -reinigern oder Aroma-Diffusern. Vitaminreiche Ernährung und regelmäßige Bewegung im Freien stärken das Immunsystem. Halten Sie sich in Grippezeiten von Menschenmengen fern. Wer noch mehr wissen will, dem empfehle ich mein Buch. Es enthält das in meiner täglichen Praxisarbeit gesammelte und erworbene Wissen, wie wir Viren naturheilkundlich begegnen können.

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