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Mit dem Herzen glauben und beten

„Gott horcht nicht auf die Stimme, sondern auf das Herz des Betenden“

Viele Menschen spüren, dass das wahre Suchen nach Gott nicht im Kopf, sondern im Herzen geschieht. Wir verfügen auch über eine Art ‚sinnlicher Intelligenz’, falls sie uns nicht in der Erziehung abtrainiert wurde oder wir selber sie nicht haben verkümmern lassen. Vielleicht sind tatsächlich Herz und Gefühl manchmal nicht nur näher am Leben als der denkende Kopf, sondern auch näher bei Gott.

Die Vätertheologen der Alten Kirche jedenfalls sagen: das Herz ist der mystische Schauplatz, an dem sich unser Glaube vollzieht. Das hat nichts mit unserem inneren Organ, mit unserem Herzmuskel zu tun. Im biblischen Wortgebrauch meint Herz vielmehr die innerste personale Mitte des Menschen. Herz steht für den Menschen, der in sich eins ist – bei dem nicht Innen und Außen, Gesinnung und Handeln, Glauben und Werke, Fühlen und Denken auseinanderklaffen, nicht einmal Seele und Leib gegeneinander ausspielbar sind. Der Mensch im biblischen Sinn hat nicht ein Herz, sondern er ist Herz – nämlich dann, wenn er diese ganzheitliche Identität lebt. Deshalb sagen viele zu Recht, der Glaube wohnt im Herzen.

Im Herzen zeigt sich nämlich das ungebrochene Ich des Menschen, das er vor Gott und vor sich selber sein soll. Echtheit ist also gefragt. Deshalb sollen wir auch „Gott mit dem Herzen dienen“ (1 Sam 12, 20).

Jesus zeigt uns allerdings auch, wie das negative Kontrastbild dazu aussieht. Menschen, deren Werke sich vom Herzen gelöst haben, bei denen Denken, Reden, Tun auseinander fallen, sie nennt er Heuchler. Der Heuchler, sagt er, „ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir“ (Mk 7, 6).
Im Herzen tritt also die ungeschminkte Wahrheit zutage: hier ist nichts manipulierbar, hier gibt es keine Möglichkeit zur Beschönigung oder Täuschung. Wir Menschen freilich, wir schauen oft auf das Äußere und lassen uns davon häufig blenden und in die Irre führen – „der Herr aber sieht das Herz“ (1 Sam 16, 7). Gott wird an mehreren Stellen der Bibel deshalb „Herzenskenner“ genannt. Er prüft die Herzen und wird so „das Verborgene ans Licht bringen und die Absichten der Herzen aufdecken“ (1 Kor 4, 5). Auch unsere Absichten! Die ungeschminkten Motive, aus denen heraus wir handeln.

Der Ehrliche ist am Ende also nicht der Dumme, wie es im Sprichwort heißt – denn dumm ist ja nur, wer sich vergeblich für etwas abstrampelt. Jede ehrliche Tat jedoch, die ich vollbringe, ist und bleibt ein Teil von mir. Meine getane Ehrlichkeit mag vielleicht von anderen ignoriert werden. Doch niemand kann sie mir jemals wieder nehmen oder sie rückgängig machen. Sie ist quasi meine Identitäts-Karte, die Auskunft gibt, wer ich wirklich bin.

Der Glaube so betrachtet, hat nichts mehr mit Kopflastigkeit oder mit dem Aufsagen von Glaubenssätzen zu tun. Auch unser Beten ist so verstanden ein Werk des Herzens und nicht mehr der Lippen – oder wie Cyprian v. Karthago es formulierte: „Gott horcht nicht auf die Stimme, sondern auf das Herz des Betenden“. Glauben und Gebet sind also eine Sache des Herzens – und damit eine Sache der Echtheit! •

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